Unser tägliches Miteinander ist geprägt von persönlichen Interaktionen. Wir führen Dialoge, wir diskutieren, wir tauschen uns aus. Das war schon immer so. Doch dann kam das Internet, das alles verändert hat. Plötzlich führten wir Dialoge im World Wide Web. Wir tauschten uns aus – in Koch-Communities, im Brigitte-Forum oder über Aktien und Wertpapiere. Jeder konnte frei seine Gedanken austauschen. Denn online war jeder von uns plötzlich einer von vielen. Wir schwammen mit zigtausend anderen im selben Meer. Im Schutze der Anonymität war und ist es besonders einfach, sich über persönliche und vielleicht hoch sensible Dinge auszutauschen. Ungezwungen und ohne Ressentiments.
Vor einigen Jahren kam eine neue Facette der Kommunikation hinzu. Die sozialen Netzwerke begannen zu wachsen und mehr und mehr Mitglieder an sich zu binden. Das veränderte vieles. In den AGBs dieser Netzwerke wird jeder Nutzer dazu aufgefordert, sich mit echtem Namen zu registrieren. Adieu Anonymität.
Das macht vielen Menschen Angst. Viele haben Bedenken, zu viel von sich preiszugeben, oder andersrum, von den fremden Diensten ausspioniert oder ihrer Daten beraubt zu werden. Datenschutz ist das wohl am häufigsten diskutierte Thema im Kontext Facebook. Doch letztlich hat die vor allem von den Medien geführte Debatte keineswegs die mittlerweile 20 Mio. Deutschen davon abgehalten, sich bei Facebook zu registrieren.
Ein wenig Skepsis ist durchaus berechtigt. Die wirtschaftlichen Interessen sind sicherlich in vielen Aspekten konträr zum dem, was die Nutzer wollen. Doch wer von den Vorteilen von Facebook profitieren will, muss sich dem Diktat eines Mark Zuckerbergs unterwerfen. Oder eben nicht. So einfach ist die Rechnung.
Doch wer Angst hat, zu viel preiszugeben, muss sich ebenso die Frage stellen: Wie privat ist Ihre Online-Kommunikation wirklich? Facebook kennt nur die Daten, die Sie veröffentlichen. Ob ich Fotos hochlade, eine Statusmeldung veröffentliche oder einen Kommentar hinterlasse, nichts ist wirklich privat. Und nichts ist wirklich sicher. Sicherheit im Netz sollte immer unser höchster Anspruch sein. Doch in der Realität müssen wir unsere Onlinekommunikation eher pragmatisch sehen.
Das Ende der Anonymität. Punkten Sie mit Persönlichkeit – so lautet der Titel. Denn nur wer aufhört, sich zu verstecken, kann die eigene Online-Reputation beeinflussen. Dazu gehört viel Mut. Denn alle Inhalte, die Sie mit Ihrem eigenen Namen veröffentlichen, tragen ein Stück weit zu Ihrer Online-Persönlichkeit bei. Wie einzelne Puzzleteile ergeben auch sie irgendwann ein Gesamtbild. Ob Sie Social Media beruflich oder privat nutzen, das macht nicht wirklich einen Unterschied. Zumindest die Google-Suche bringt alles auf einen Tisch.
Nutzen Sie Social Media pragmatisch, indem Sie sich jederzeit bewusst sind, dass es für alle Inhalte, die Sie veröffentlichen, keinen Radiergummi gibt. Es gibt Dienste, die Ihnen zwar versprechen, Ihre Vergangenheit zu löschen. Doch darauf würde ich nicht vertrauen. Und auch die Namensänderung durch Heirat ist etwas beschwerlich, wenngleich auch nicht ganz unmöglich.
Authentisch zu sein, ist eigentlich nicht schwer. Laut Duden bedeutet es, „echt zu sein, den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“. Wir alle haben es so satt, mit anonymen Marken zu sprechen. Social Media ist die große Chance, wieder das persönliche Miteinander zu pflegen.
Hören Sie auf, ängstlich zu sein. Suchen Sie die Vorteile, die Ihnen Social Media für Ihre berufliche Zukunft bringt. Im Zuge des demografischen Wandels kommen immer mehr junge, gut ausgebildete, arbeitswillige Menschen auf den Arbeitsmarkt. Der so genannte „War of Talents“ wird für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer eine neue Herausforderung.
Netzwerken Sie, stellen Sie Ihr Know-how unter Beweis, gehen Sie neue Wege. Im Zeitalter der Transparenz wird man Sie finden.
Foto Credit: BenJTsunami